Die Bibliothek der Villa Hügel mit Blick nach Norden, 2016

Tausende von Büchern – Die Bibliothek der Villa Hügel

AKTUELLER HINWEIS
Aus Sicherheitsgründen bleibt aufgrund der derzeitigen Wetterlage Hügelpark und Villa Hügel heute am Freitag, 20. Mai 2022 geschlossen.
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RHODODENDRONBLÜTE IM HÜGELPARK

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CORONA-REGELN
Das Tragen einer medizinischen Maske (FFP2, alternativ OP-Maske) ist in den Innenräumen der Villa Hügel verpflichtend!
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GEÄNDERTE ÖFFNUNGSZEITEN
Do, 19. Mai-Di, 24. Mai – Haupthaus ganztägig geschlossen, Historische Ausstellung Krupp von 10 bis 18 Uhr geöffnet
Weitere Änderungen entnehmen Sie unserem Kalender.

Rund 3.400 Bücher stehen heute noch hinter den gläsernen Türen der Bibliotheksschränke in der Villa Hügel. Bis zu 30.000 sollen es insgesamt einmal gewesen sein. Wie bei jeder Sammlung ist der Anfang bescheiden. In den 1870er-Jahren weist Alfred Krupp seinen Portier an, illustrierte Zeitschriften zu sammeln und zu binden. Zu dieser Zeit ist die Bibliothek, deren Begriff aus dem Griechischen übersetzt „Buch-Behälter“ bedeutet, an einer anderen Stelle in der Villa Hügel untergebracht. Im östlichen Gebäudeteil, im heutigen Speisesaal, hat Alfred Krupp drei Räume für die Bibliothek und den Lesesaal vorgesehen. Mehr Platz benötigt er augenscheinlich nicht, scheint der Erbauer der Villa Hügel mehr Wert auf praktische Tätigkeiten zu legen als auf theoretische Bildung.

Dies ändert sich grundlegend nach dem Tod von Alfred Krupp 1887 als sein Sohn Friedrich Alfred Krupp und dessen Frau Margarethe die Geschicke in der Villa Hügel übernehmen . Friedrich Alfred und Margarethe Krupp lassen die Gesellschaftsräume im Erdgeschoss umbauen: 1889 tauschen Bibliothek und Speisezimmer ihre Standorte. Von diesem Zeitpunkt an ist die Bibliothek im Süden des Haupthauses untergebracht, mit Terrassenzugang und herrlichem Blick in den Garten. Ein komplexes Schranksystem des Hof-Möbelfabrikanten A. Bembé aus Mainz, heute noch für Parkettarbeiten bekannt, wird in die etwa 215 m² großen Räume eingebaut. Die Firma Bembé hat auch andere Wohnräume der Villa Hügel ausgestattet (z. B. die Kemenate, siehe März-Beitrag), ihr Signé lässt sich noch auf vielen Schlössern wiederfinden. Alle drei Bibliotheksräume werden mit einer umlaufenden Galerie ausgestattet, die ebenfalls über eine Vielzahl, damals noch offener Regalmodule verfügt. Diverse Sitzgruppen und Tischchen haben zum Verweilen eingeladen oder als Ablage für Bücher und große Folianten gedient.

Friedrich Alfred Krupp entwickelt schon früh ein sehr großes Interesse an Naturwissenschaften und Technik, das er bis zu seinem Tod beibehält. Bücher scheinen seinen stetigen Durst nach Wissen und seinen Drang, Themen zu erforschen zu stillen. Um die schulische Ausbildung seiner Töchter Bertha und Barbara so breit wie möglich aufzustellen, wird u. a. der Bibliotheksbestand um wesentliche Wissensgebiete kontinuierlich erweitert. Der Bücherbestand wächst beträchtlich.

Leseecke in der Bibliothek, 1889

Leseecke in der Bibliothek, 2016

Verwaltet wird die Hügel-Bibliothek anfangs von Friedrich Alfred Krupps Reisekurier. Später, nach der Gründung der Werksbibliothek, der „Krupp’schen Bücherhalle“ im Jahr 1899, übernimmt ein Angestellter der Bücherhalle diese umfassende Aufgabe. Die professionelle Erfassung von Publikationen in verschiedenen Registern und Katalogen füllt eine Vollzeitstelle, damals 45 Stunden an sechs Tagen in der Woche. Darüber hinaus lässt Friedrich Alfred Krupp den Bücherbestand um 1900 wissenschaftlich bearbeiten und in einem gedruckten Katalog präsentieren.
Seit 1922 betreuen die Privatsekretäre von Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach die Privatbibliothek der Familie. Während der letzten Phase des großen Umbaus der Villa Hügel zwischen 1913 und 1915 erfolgt zudem direkt unterhalb der Bibliothek die Einrichtung zweier Bibliothekarsräume, verbunden über eine schmale, steile Treppe. Teile der Ausstattung und der Autoren-, Sach- und Schlagwortkataloge sind bis heute erhalten geblieben. Während der Besatzungszeit fertigen die Alliierten zur eigenen Nutzung separate Bestandsverzeichnisse an.

Exkurs: Ein eigenes Exlibris für die Hügel-Bibliothek

Jeder kennt ihn, den Stempel im ausgeliehenen Buch der Stadtbücherei. „Im Eigentum von…“ ist eine häufig genutzte Formulierung. So mancher kennzeichnet die Bücher seines eigenen Bestandes mit seinem Namen. Hiermit werden die Eigentumsverhältnisse geklärt. Die Ursprünge des Eigentumsnachweis, dem Exlibris, gehen auf die Zeit Albrecht Dürers, die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg und den Aufbau von Bibliotheken zurück: ex libris, lat. aus den Büchern, aus der Bibliothek. Die Gestaltung variiert zwischen einfach und aufwändig.

Viele Bücher der Hügel-Bibliothek tragen einen einfachen Stempel mit der Aufschrift „Bibliothek ‚HÜGEL‘“. Um 1905 entwirft der Industriemaler Heinrich Kley, mit dem die Gussstahlfabrik Krupp bis 1918 immer wieder zusammenarbeitet, ein Exlibris für die Bibliothek der Villa Hügel. Die Radierung zeigt im Hintergrund die Villa Hügel von Süden aus gesehen, im Vordergrund werden eine weibliche Personifikation der Wissenschaften mit Büchern und Globus abgebildet. Auf den Exlibris, die fortan auf eine der ersten Seiten der Bücher eingeklebt werden, kann unterhalb des Schriftzugs „Bibliothek Hügel“ handschriftlich in einem speziell dafür vorgesehenen Feld die Bibliothekssignatur hinzugefügt werden. Die Signatur besteht aus einem Großbuchstaben gefolgt von einer Zahlenkombination und einem Kleinbuchstaben. Über die zusätzliche Kennzeichnung der Bibliotheksschränke auf den Rückseiten der Türen (Großbuchstabe, Themenbereich, Nummernfolge) lässt sich somit der Standort eines jeden Buches nachvollziehen.