2 x KIPPENBERGER

7. Februar bis 2. Mai 2021

Ausstellungskooperation – Museum Folkwang und Villa Hügel

Die Kulturstiftung Ruhr präsentiert unter dem Titel Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel rund 120 Künstlerbücher und 140 Plakate von Martin Kippenberger in der historischen Bibliothek und in den ehemaligen Wohnräumen der Familie Krupp.

Im Museum Folkwang ist Martin Kippenbergers The Happy End of Fanz Kafka’s ‚Amerika‘ zu sehen. Das selten gezeigte Hauptwerk des Künstlers wird auf etwa 1.200 Quadratmetern in den beeindruckenden Dimensionen seiner „Urfassung“ von 1994 gezeigt.
zur Ausstellung im Museum Folkwang

Martin Kippenberger, 1994, Foto: Wubbo de Jong / MAI (Maria Austria Instituut)

Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel

Der ungewöhnliche Titel – Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel – zitiert ein Künstlerbuch, das 1996 zu einer Kippenberger-Ausstellung in der Villa Merkel in Esslingen entstand. Die experimentellen und mitunter provokativen Bücher von Martin Kippenberger stehen in wirkungsvollem Kontrast zur historischen Einrichtung der Familienbibliothek in der Villa Hügel. Auf temporäre Einbauten wird hier verzichtet, zur Präsentation dient einzig das repräsentative Mobiliar. Die Plakate des Künstlers sind in Ausstellungsräumen im 1. Obergeschoss zu sehen. Die ursprünglichen Einrichtungsgegenstände, dieser ehemaligen Schlaf- und Wohnräume der Familie Krupp, sind zu großen Teilennicht mehr vorhanden.

links: Martin Kippenberger, afb. [Abb.] [fig.]. The Happy End of Franz Kafka's 'Amerika', 1994, Künstlerbuch zur Ausstellung im Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam, 26,9 x 22,1 cm, 96 Seiten | rechts: Martin Kippenberger, Der Eiermann und seine Ausleger, 1997, Künstlerbuch zur Ausstellung im Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 19,5 x 16,5 cm, 128 Seiten | Fotos: Jens Nober, Museum Folkwang © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Kippenbergers Bücher

Sprachwitz und Provokation

Die Medien Buch und Plakat begleiten Martin Kippenberger durch alle Phasen seines Schaffens und er bürstet sie ebenso lustvoll gegen den Strich wie die Kunstgattungen Malerei und Skulptur. Zu seinem 25. Geburtstag veröffentlicht er das Künstlerbuch 1/4 Jahrhundert Kippenberger: ein Band mit leeren Seiten, in den man die beigefügten Fotoaufkleber mit Motiven aus Kippenbergers Leben einkleben kann. Das gleichzeitig von Kippenberger entworfene Plakat zeigt ihn Hand in Hand mit einem Stadtstreicher; sein Kopf wird kranzförmig von wenig schmeichelhaften Beschreibungen umgeben, die in ihrer Anordnung jedoch wie ein Heiligenschein wirken.

Das Buch ist das ideale Medium für Martin Kippenbergers Sprachwitz und so publiziert er auch abseits von Ausstellungsprojekten immer wieder Bücher, von schmalen Bändchen bis hin zum autobiografischen Roman. Kalauer, Reiseberichte, tiefe Einsichten in zwei Zeilen, nicht zuletzt und immer wieder auch Kommentare zur Kunstwelt, all das findet sich in seinen Büchern. Nicht selten entstehen sie in Gemeinschaftsarbeit mit anderen. Manchmal nimmt Kippenberger nur die Rolle des Anregers ein, wie bei den Büchern, die befreundete Autoren zur ersten Präsentation seiner Großinstallation The Happy End of Fanz Kafka’s ‚Amerika‘  publiziert haben.

 

links: Martin Kippenberger, Podria Prestarte Algo, Pero Eso no te Haria Ningun Favor (Ich könnte Dir was leihen, aber ich würde Dir keinen Gefallen damit tun), Galerie Leyendecker, Teneriffa, 1985, Siebdruck, 83,8 x 59,4 cm | rechts: Martin Kippenberger, Window Shopping bis 2 Uhr Nachts, Galerie Hubert Winter, Wien, 1997, Offsetdruck, 84 x 59,2 cm | Fotos: Jens Nober, Museum Folkwang © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Kippenbergers Plakate

Persiflage und Verweigerung

Persiflage und Verweigerung durchziehen Martin Kippenbergers gesamtes Plakatwerk. Scheinbar klare Information lässt sich oft schwer als Absurdität erkennen, doch hinter scheinbar Belanglosem steht ein ernsthaftes Thema. Martin Kippenberger missachtet demonstrativ die Gesetze von Typografie, Gestaltung und Werbewirksamkeit. Zwischen Bild und Text fehlt meist ein klarer Zusammenhang, was die absurde Seite seiner opulenten Texterfindungen noch steigert.

Die Präsentation der Kippenberger-Plakate in den Räumen im Obergeschoss der Villa Hügel richtet den Blick vor allem auf die unterschiedlichen Formen seiner Selbstinszenierung, aber auch auf seine Stellung im Netzwerk mit befreundeten Künsterlinnen und Künstlern. Dabei wird deutlich, mit welcher Fähigkeit zur Selbstironie Kippenberger agierte, wie prätentiös und eitel er aber in der gleichen Sekunde erscheinen konnte.

Martin Kippenberger schuf im Laufe seines Lebens fast 150 Bücher und mehr als 170 Plakate. Den Verbindungslinien zwischen den Gattungen Plakat u nd Künstlerbuch ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Die gezeigten Bücher und Plakate stammen aus der Sammlung des Museum Folkwang. Diese konnte in den vergangenen Jahren mit großzügiger Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erheblich erweitert werden.
zur Krupp-Stiftung

Martin Kippenberger

Martin Kippenberger (1953-1997) ist einer der wichtigsten Künstler des späten 20. Jahrhunderts. Die Vielfalt seiner künstlerischen Medien und Materialien – von Malerei und Plastik über Fotografie und Performance bis zu Plakat und Buch – ist ebenso beeindruckend wie seine oft beißende Ironie und analytische Schärfe, die ihn als genauen Beobachter gesellschaftlicher und politischer Phänomene ausweisen. Martin Kippenberger wuchs in einem kunstinteressierten Elternhaus in Essen auf. Die Familie unternahm regelmäßig Ausflüge in das Museum Folkwang und die Villa Hügel.

Bild: Martin Kippenberger, Ce Calor 2, Museo de Arte Contemporaneo de Sevilla, 1989, Foto: Nic Tenwiggenhorn, Siebdruck, 84 × 59,3 cm © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne, Foto: Jens Nober, Museum Folkwang