1. Veranstaltung des Begleitprogrammes: Die Faszination des eigenen Bildes

Die Faszination des eigenen Bildes
Essen. Meist sind sie nicht größer als eine geöffnete Hand, die Porträtfotos, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Ihre Herstellung war aufwändig, die Belichtungszeiten stellten die Geduld und die Körperbeherrschung des Porträtierten auf die Probe. Zunächst blieben die faszinierenden neuen Bilder den Reichen vorbehalten, doch der erste Schritt zum Massenmedium war schon bald getan. Prof. Dr. Bodo von Dewitz, stellvertretender Direktor und Leiter der Fotografischen Sammlungen des Museum Ludwig in Köln, stellt am Dienstag, dem 5. Juli, „Das Medium für jede Gelegenheit – Porträtfotografie im 19. Jahrhundert“ in der Villa Hügel Essen vor. Die Veranstaltung ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe, die verschiedene Themen der Ausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ aufgreift und vertieft.Sein und Schein im Visitenkartenformat

Rund drei Tagelöhne konnte der Besuch beim Fotografen in den 1850er-Jahren schon kosten. Doch wer es sich leisten konnte, fuhr gerne zum Fototermin in eine der großen Städte und erstand eine Daguerreotypie. Das eigene Konterfei auf einer versilberten Kupferplatte. Edel gerahmt, wie ein gemaltes Bildnis, erhielt das Unikat dann einen Ehrenplatz im heimischen Salon. Erst mit der Reproduzierbarkeit verließ das Porträtbild den Kreis der Familie. Aber bereits in den 1860er-Jahren kam das Visitenkartenfoto auf und erfreute sich schnell einer enormen Beliebtheit. War es zuerst ein Privileg der Herrschenden das eigene Porträt zu verschenken, so entwickelte sich jetzt ein reger Tauschhandel, die Sammelleidenschaft brach aus und wurde zu einer wahren „Kartomanie“. Es war die Geburtsstunde des Fotoalbums. Große Kunst war diese Massenware allerdings nicht. Wurde auf den Daguerreotypien noch versucht, die Charakteristika des Fotografierten herauszustellen, seinen sozialen Stand zu unterstreichen, so hielt nun die Standardisierung Einzug. Und im Fotostudio kamen auch kleine Leute ganz groß raus, wurde die Kleinbürgerin zur feinen Dame, der Kadett zum General.

1. Veranstaltung des Begleitprogramms zur Ausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ in der Villa Hügel Essen

5. Juli 2011:

Das Medium für jede Gelegenheit – Porträtfotografie im 19. Jahrhundert Referent: Prof. Dr. Bodo von Dewitz, stellvertretender Direktor und Leiter der Fotografischen Sammlungen des Museum Ludwig, Köln

Beginn 19 Uhr im Großen Haus der Villa Hügel Essen. Der Eintritt ist frei.
Pressekontakt: Waltraud Murauer-Ziebach, presse@villahuegel.de, 0201-61629-19

05.07.2011