PRAG UM 1600
10. Juni – 30. Oktober 1988
Ausstellungsplakat PRAG UM 1600 ist die zweite Ausstellung der Kulturstiftung Ruhr in ihrer Reihe EUROPÄISCHE METROPOLEN, die 1986 mit BAROCK IN DRESDEN begonnen wurde. Glanzstücke der kaiserlichen Hofkunst und Beispiele der kaiserlichen Förderung der Wissenschaften werden für fünf Monate in der Villa Hügel zu sehen sein und als rekonstruiertes Ensemble den Betrachter einen Höhepunkt europäischer Kulturgeschichte erleben lassen.
Adriaen de Vries, Psyche, um 1593
Über 500 Meisterwerke von etwa 100 Leihgebern - öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa und den USA - lassen ein einzigartiges Panorama des ausgehenden 16. Jahrhunderts entstehen, das heute als goldenes Zeitalter wirtschaftlicher und kultureller Blüte gilt. Zu seinem Zentrum im Habsburger Reich wurden Prag und der Hof Kaiser Rudolfs II. (1576-1612).
Guiseppe Arcimboldo, Kaiser Rudolf II als Vertumnus, um 1591
In diesem Herrscher findet die Zeit vor dem 30jährigen Krieg ihre überragende und noch heute geheimnisumwitterte Verkörperung. Ihm verdankt die Stadt Prag ein Klima der Toleranz und Humanität, das eine für ganz Europa folgenreiche Entfaltung von Wissenschaft und Kultur erst möglich machte.
Gemälde, Skulpturen, Druckgraphik und Zeichnungen der Hofkünstler Rudolfs II.- darunter HANS VON AACHEN, GIUSEPPE ARCIMBOLDO, BARTHOLOMÄUS SPRANGER, ROELAND SAVERY, ADRIAN DE VRIES oder GIOVANNI BOLOGNA - führen in die Welt des Prager Manierismus ein, jenes raffinierten, symbolreichen und extrovertierten Stils, mit dem die Renaissance gerade in dieser Stadt eine letzte Steigerung erlebte und der in Ansätzen schon auf das Zeitalter des Barock verweist.
Bartholomäus Spranger, Venus und Bacchus, um 1590
Jan Vermeyen, Krone Rudolfs II, 1602 Kostbare Werke der Goldschmiede- und Steinschnittkunst - z.B. Arbeiten von ALESSANDRO ABONDIO, ALESSANDRO MASNAGO, OTTAVIO MISERONI, PAULUS VAN VIANEN. u.a. spiegeln manieristisch-schmuckhaften Glanz und demonstrieren zugleich überragende handwerkliche Meisterschaft. Von den zentralen Themen der Zeit zwischen Magie und Wissenschaft, vom Kaiser bevorzugte Bereiche seiner höfischen Gelehrtenrepublik, zeugen Uhren, Automaten und technische Geräte.

In ihnen gewinnt der forschende und erkennende Geist der beginnenden Neuzeit Gestalt. Der Tod des Herrschers und der Beginn der Glaubenskriege beendeten dieses bedeutsame Kapitel europäischer Kunst- und Geistesgeschichte. Mit der Plünderung Prags fielen auch die einzigartigen Sammlungen dem Krieg zum Opfer.

Ein internationaler Arbeitsausschuß von Fachleuten aus Österreich, der CSSR, Ungarn, Schweden und der Bundesrepublik Deutschland hat mit dieser Ausstellung den Versuch unternommen, einen Teil der damals verstreuten Werke nach mehr als 350 Jahren wieder zusammenzuführen.

Hauptleihgeber der Ausstellung sind die Museen in Wien, Stockholm und Prag sowie die Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein in Vaduz. An ihr beteiligt haben sich zudem, neben zahlreichen privaten und kirchlichen Leihgebern, nahezu alle Museen in Europa und den USA, die im Besitz von Werken aus dem Prag Rudolfs II. sind.

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