KOREA - DIE ALTEN KÖNIGREICHE

05. Juni - 17. Oktober 1999

Ausstellungsplakat Die koreanische Hochkultur ist - anders als die chinesische und japanische - in ihrer Vielfalt und Eigenständigkeit heute in Europa noch weitgehend unbekannt.

Die Rolle des Landes als eine der führenden internationalen Wirtschaftsmächte Ostasiens hat jedoch in den letzten Jahrzehnten zunehmendes Interesse auch für seine kulturellen Leistungen geweckt - ein Anlaß für die Kulturstiftung Ruhr, sie ihrer charakteristischen Eigenart und Bedeutung entsprechend dem europäischen Publikum vorzustellen.
Zahlreiche Leihgaben höchster Qualität aus koreanischen Museen und Privat-sammlungen, unter ihnen als "Nationalschätze" eingestufte Werke, ermöglichen dem Besucher einen grundlegenden Einblick in das Wesen koreanischer Kunst und Kultur.
Portrait von Kang Se-hwang, 18. Jh., Hängerolle Die Ausstellung verzichtet bewußt auf eine historisch-chronologische Reihung der ca. 200 Objekte. Statt dessen stellt deren Gruppierung in drei große thematische Bereiche: Schamanismus, Buddhismus und Konfuzianismus, einen für die Entwicklung und Einzigartigkeit koreanischer Kunst charakteristischen kulturgeschichtlichen Zusammenhang her.

Die Besiedlung der koreanischen Halbinsel, vermutlich durch sibirisch-mongolische Nomadenstämme, erfolgte zur Jungsteinzeit. Der Mythos nennt das Jahr 2333 v.Chr. als Gründungsdatum des Reiches Choson, des "Landes der Morgenstille".
Ausgrabungsfunde wie Ritualgeräte und goldene Kostbarkeiten aus der Zeit dieser legendären Periode bis zu den historischen Drei-Reichen (10. Jh.v.Chr. bis 6.Jh. n.Chr.) dokumentieren Frühformen einer schamanistischen Religion. Ihre Tradition hat sich in Korea neben Buddhismus und Neo-Konfuzianismus bis in die Gegenwart fortentwickelt.

Der seit dem 4. Jh.n.Chr. von China übernommene Buddhismus wurde bereits in den drei Königreichen - Koguryo, Paekche, Shilla - zur Staatsrelegion. Er zog als bestimmende kulturelle Kraft alle Künste in seinen Bann und erlebte vor allem zwischen dem 7. und 14. Jahrhundert eine hohe Blüte. Dementsprechend umfangreich ist er in der Ausstellung mit hervorragenden Werken der Malerei und Skulptur vertreten, darunter die wohl bedeutendste Bodhisattvafigur Koreas, die vergoldete Bronzestatue des "nachdenklich sitzenden Maitreya".

Zahlreiche Pagoden, Zeugnisse des ursprünglich aus Indien stammenden Pagodenkults, kostbare Ritualgeräte und Gegenstände des Reliquienkults doku-mentieren neben ausgesuchten Beispielen der weltberühmten und auch in Europa hochgeschätzten Seladonkeramik die schöpferischen Fähigkeiten buddhistischer Kultur. Auch die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern kann als Aus-druck dieser geistigen Atmosphäre betrachtet werden.
Gold-Krone mit Jadesmuck, 2. Hälfte 5. Jh. n. Chr.
Nachdenklich sitzender Miruk (Maitreya), vergoldete Bronze, frühes 7. Jh.

Der erste Herrscher der Choson-Dynastie (1392–1910) verlegte seine Hauptstadt nach Hanyang, in das heutige Seoul. An die Stelle des Buddhismus trat der Neo-Konfuzianismus mit seinem strengen Kodex von Ethik und Moral, wie er ursprünglich von Konfuzius (551-479 v.Chr.) in China gelehrt worden war. Der Kult der Ahnenverehrung wurde am Königshof wie beim Volk zum wichtigsten Zeremoniell, der neu errichtete königliche Ahnenschrein sein äußeres Symbol. Die Ausstellung zeigt zum ersten Male Bestände aus diesem Schrein und den Adels-palästen: kostbare Jadearbeiten, Ritualgeräte, Zeremonialgewänder u.a.m., Dokumente für die konfuzianische Prägung des adeligen Lebens.

Zugleich spiegeln Malereien und Gerätschaften aus den Studios von Literaten die geistigen Ideale der gesellschaftlichen Elite Koreas wider: für den Besucher eine einzigartige Gelegenheit, sich mit einer der ältesten und bedeutendsten Kulturen Ostasiens bekannt zu machen.

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