Archiv für den Monat: März 2011

Vorbereitungen für neue Sonderausstellung

2011: Vorbereitungen für neue Sonderausstellung
Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten
18. Juni bis 11. Dezember 2011 in der Villa Hügel Essen

Essen. Von keinem Unternehmen, keiner Industriellenfamilie ist wohl eine solche Fülle von Fotografien überliefert wie von Krupp. Erstmals präsentiert die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in einer Ausstellung die bedeutendsten Schätze dieser ein­zigartigen Sammlung. In 15 Räumen der Essener Villa Hügel, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie, werden fast 400 Aufnahmen in aufwändig inszenierten Themenbereichen zu sehen sein. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den Anfängen der Fotografie bis zur zeitgenössischen Fotokunst. Zu sehen sind Familienfotos ebenso wie industrie­geschichtliche Bilddokumente: gewaltige Produktionsstätten und legendäre Produkte, Arbeiter und Direktoren, prominente Besucher und Sozialeinrichtungen, Familienporträts und Reisealben – Schnappschüsse und Inszenierungen. Der Anlass für diese außer­gewöhnliche Präsentation ist ein Jubiläum: Im Jahr 1811, also vor 200 Jahren, gründete Friedrich Krupp in Essen eine Gussstahlfabrik ‑ die Keimzelle eines Weltkonzerns, die Geburtsstunde eines Mythos.

Mit Lupe und Pinzette: Restaurator sichert fotografische Schätze
Rund zwei Millionen Aufnahmen bewahrt das Historische Archiv Krupp auf. Allein das Sichten, Katalogisieren und langfristige Erhalten ist eine Herausforderung. Oft ist der Zustand kostbarer Bilddokumente sehr fragil und es geht darum, ihre Qualität für kommende Generationen zu sichern. Ein international gefragter Experte auf diesem Gebiet ist der Fotorestaurator Klaus Pollmeier. Er untersucht, digitalisiert, reinigt, schließt Risse, konserviert und stabilisiert die Fotografien. Zurzeit verbringt er wieder lange Arbeitstage in der Villa Hügel, denn einige der einzigartigen Zeitzeugnisse verlassen für die Ausstellung erstmals die klimatisierten Magazine. Diese Aufnahmen müssen gut und sicher für den öffentlichen Auftritt präpariert werden. Besonders faszinierend ist dabei die Arbeit mit den Daguerreotypien, den auf silberbeschichtete Kupferplatten gebannten Bildern, die Mitte des 19. Jahrhunderts, also in den Kindertagen der Fotografie, entstanden sind. Sie gehören zu den wertvollsten Stücken der Sammlung.

Begeisterung für das neue Medium
Krupp war eines der ersten Unternehmen, das sich im 19. Jahrhundert intensiv dem neuen Medium zuwandte. Dessen Anfänge lagen in den 1830er Jahren, als die Fotografie-Pioniere Daguerre und Talbot mit ihren Erfindungen den Weg bereiteten. Zwei Porträt-Daguerreotypien von Alfred Krupp, um 1849 entstanden, gelten als erste fotografische Zeugnisse der Stahlindustrie.

Dokumentation und Inszenierung
Bereits 1861 gründete Alfred Krupp eine „Photographische Anstalt“. Seitdem nutzte die Firma Fotografien zur Dokumentation, zur Öffentlichkeitsarbeit und zur wissenschaft­lichen Forschung. Die Werksfotografie wandte sich allen Bereichen des Unternehmens zu. Doch nicht nur die Werksfotografen bemühten sich um Bilder von Krupp. Auch bekannte freie Fotografen wie René Burri, Josef Darchinger, Erich Lessing und Timm Rautert widmeten sich seit den 1950er Jahren dem Thema. Industriefotografie des späten 20. Jahrhunderts wird dynamischer, atmosphärischer, subjektiver.

Panoramen von Krupp: Weltweit einzigartig
Mit enormem Aufwand fertigte die „Photographische Anstalt“ seit 1861 Werkspanoramen an. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt eine acht Meter lange Werksansicht. Sie ist weltweit einzigartig. Alfred Krupp hatte genaue Anweisungen gegeben: Er wollte „in größtem Maaßstabe eine oder besser zwei Ansichten mit Staffage und Leben auf den Plätzen, Höfen und Eisenbahnen. Ich würde vorschlagen, dass man dazu Sonntage nehme, weil die Werktage zu viel Rauch, Dampf und Unruhe mit sich führen, auch der Verlust zu groß wäre. Ob 500 oder 1000 Mann dazu nöthig sind, stelle ich anheim“.

Familienfotografie: Zwischen Kunst und Hobby
Die Familie Krupp begeisterte sich auch privat schon früh für das Fotografieren und hielt per Schnappschuss fest, wie sie ihre Freizeit verbrachte oder was sie auf Reisen unter­nahm. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach hinterließ als ambitionierter Fotoamateur über 30.000 Dias von seinen Reisen in den 1950er und 1960er Jahren. Aber die Krupps ließen sich auch immer wieder von prominenten Fotografen ihrer Zeit porträtieren. Nicola Perscheid und Jacob Hilsdorf, Yousuf Karsh und Arnold Newman schufen eindrucksvolle Aufnahmen.

Reisealben: Weltbilder für den Salon

In höchst ungewöhnlicher Breite sammelte die Familie Krupp Fotoalben aus der ganzen Welt. Vielfach überreichten ausländische Besucher ihr solche Schätze. Schon im 19. Jahr­hundert konnten die Krupps sich über zahlreiche Alben die Welt im Bild aneignen: Spanien und Großbritannien, Ägypten und Japan, Chile und Kanada. Tanzende Derwische, asiatische Teeverkäufer, nordamerikanische Indianer – auch das ist in der Ausstellung zu sehen.

Förderung zeitgenössischer Fotokunst
Heute fördert die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die Foto­grafie auf vielfältige Art, zum Beispiel durch Stipendien für Fotografen oder Museums­kuratoren. Sie setzt damit die lange Fotografietradition des Hauses Krupp auf ganz neue Weise fort.

Buchung von Führungen:
+ 49 (0) 201 61 62 9-17, Fax: + 49 (0) 201 61 62 9-11, info@villahuegel.de

Pressekontakt:
Waltraud Murauer-Ziebach
+ 49 (0) 201 61 62 9-16
presse@villahuegel.de

24.03.2011